{"id":2166,"date":"2019-04-14T19:30:31","date_gmt":"2019-04-14T17:30:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/?p=2166"},"modified":"2023-05-17T18:42:31","modified_gmt":"2023-05-17T16:42:31","slug":"fuer-eine-baumschutzsatzung-in-bielefeld","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/?p=2166","title":{"rendered":"F\u00fcr eine Baumschutzsatzung in Bielefeld"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/P1140099.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1776\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-1776\" src=\"http:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/P1140099-300x225.jpg\" alt=\"P1140099\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/P1140099-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/P1140099-130x98.jpg 130w, https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/P1140099-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/P1140099-640x480.jpg 640w, https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2017\/07\/P1140099.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Ahorn-Plattenbau3.jpg\" rel=\"attachment wp-att-2169\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-medium wp-image-2169\" src=\"http:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Ahorn-Plattenbau3-300x451.jpg\" alt=\"Ahorn-Plattenbau3\" width=\"300\" height=\"451\" srcset=\"https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Ahorn-Plattenbau3-300x451.jpg 300w, https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Ahorn-Plattenbau3-130x195.jpg 130w, https:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Ahorn-Plattenbau3.jpg 426w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>2017 gef\u00e4llt: Doppeleiche am Bahnhof Brake &#8212;\u00a02012 gef\u00e4llt: Ahorne in einer Wohnanlage in Brackwede.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><strong>Im Februar 2019 haben die Gr\u00fcnen und Bielefelder Natursch\u00fctzer* <a href=\"https:\/\/www.gruene-bielefeld.de\/gruenaktiv\/baumschutzsatzung-fuer-bielefeld-unterschriftenaktion\/\">2873 Unterschriften f\u00fcr einen B\u00fcrgerantrag abgegeben<\/a>, der eine Baumschutzsatzung f\u00fcr Bielefeld fordert. Von 1997 bis 2002 hatte eine solche Satzung in Bielefeld bereits bestanden. Am 7. April 2019 begr\u00fcndete Jens J\u00fcrgen Korff vom <a href=\"http:\/\/www.bund-bielefeld.de\">BUND Bielefeld<\/a> den Antrag vor dem B\u00fcrgerausschuss. Seine frei gehaltene Rede ist hier aus dem Ged\u00e4chtnis rekonstruiert. Passagen in [&#8230;] wurden nachtr\u00e4glich erg\u00e4nzt. Im Juni 2022 hat der Rat der Stadt Bielefeld dann tats\u00e4chlich eine neue <a href=\"https:\/\/www.bielefeld.de\/baumschutzsatzung\">Baumschutzsatzung<\/a> beschlossen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Guten Tag, meine Damen und Herren,<\/p>\n<p>dieses Bild zeigt die <a href=\"http:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/?p=1770\">Doppeleiche am Bahnhof Brake<\/a>, die im Sommer 2017 gef\u00e4llt worden ist. Das Beispiel verdeutlicht den Sinn einer Baumschutzsatzung. Die Doppeleiche war dem Grundbesitzer im Weg, als er das Grundst\u00fcck neu bebauen wollte. Doch sie stand am Rande des Grundst\u00fccks, und es w\u00e4re m\u00f6glich gewesen, die beiden neuen H\u00e4user zu bauen, ohne die Eiche zu f\u00e4llen, mit Abstrichen bei der Planung von Zufahrt und Freiraum.<br \/>\nZugleich war diese Eiche der Biergartenbaum der Traditionsgastst\u00e4tte \u201eStellwerk\u201c. Sie war 109 Jahre alt \u2013 ich habe damals ihre Jahresringe gez\u00e4hlt. Sie war so gro\u00df und stattlich, dass ihre Krone \u00fcber alle H\u00e4user ringsum hinausragte und einen Teil der Braker \u201eSkyline\u201c bildete. Das kann man auf vielen Fotos sehen, die ich damals gemacht habe. Sie war von vielen Seiten aus auch auf Entfernung zu sehen. Das bedeutet: Ein solcher Baum geh\u00f6rt nicht nur dem einzelnen Grundbesitzer, auf dessen Grundst\u00fcck er steht. Ein solcher Baum geh\u00f6rt dem ganzen Dorf, dem ganzen Stadtteil, weil er ein St\u00fcck Heimat darstellt. Zugleich ist eine alte Eiche ein Kosmos. Man hat bis zu 300 Vogel-, Insekten-, Spinnen-, Pflanzen-, Algen- und Pilzarten gez\u00e4hlt, die auf alten Eichen leben. Wenn ein solcher Baum f\u00e4llt, dann verschwindet ein Kosmos.<\/p>\n<p>Wir haben damals zusammen mit Anwohnern versucht, die Eiche zu retten. Wir haben versucht, mit dem Grundbesitzer ins Gespr\u00e4ch zu kommen, um einen Kompromiss auszuhandeln, doch vergeblich. Dabei habe ich gesp\u00fcrt, wie wir Natursch\u00fctzer an unsere Grenze kommen in so einem Fall. Wenn man sich stark f\u00fcr einen solchen Baum engagiert, wird es psychisch schwierig, es zu verkraften, wenn er dann doch gef\u00e4llt wird. [Deshalb bitte ich Sie, meine Damen und Herren, um Hilfe.] Eine Baumschutzsatzung w\u00fcrde bewirken, dass die Heimataspekte, die Naturschutzaspekte eines solchen Baumes eine amtliche Repr\u00e4sentanz gegen\u00fcber dem Eigentumsaspekt bekommen [\u2013 und dass sich jemand mit professioneller Distanz um Kompromissl\u00f6sungen zwischen den widerstreitenden Interessen bem\u00fchen kann].<\/p>\n<p>Es ist gesagt worden, dass man B\u00e4ume \u00fcber einen Bebauungsplan sch\u00fctzen kann. Dort in Brake gab es einen Bebauungsplan, aber der hat diese Eiche nicht gesch\u00fctzt. Ich kann nur spekulieren, dass Bebauungspl\u00e4ne vom Bauamt gemacht werden, und dass dort im Konfliktfall der Baum keine Lobby hat. \u00dcber eine Baumschutzsatzung k\u00e4me das Umweltamt ins Spiel, und da haben B\u00e4ume eine bessere Lobby.<\/p>\n<p>Diese <a href=\"http:\/\/www.bielefelder-baeume.de\/?p=684\">Ahorne hier im Hof einer Wohnanlage in Brackwede<\/a> wurden 2012 gef\u00e4llt. Sie sind ebenfalls ein gutes Beispiel f\u00fcr den Sinn einer Baumschutzsatzung. Dort gab es einzelne Mieter, die sich \u00fcber die B\u00e4ume, den Schatten, das Laub beschwert haben, das auf ihre Balkone fiel \u2013 die \u00fcblichen Argumente gegen B\u00e4ume. B\u00e4ume k\u00f6nnen ein bisschen l\u00e4stig sein. Der Hausverwaltung war es ebenfalls l\u00e4stig, das Laub beseitigen und auf die Verkehrssicherung achten zu m\u00fcssen. Eine Mieterin hat sich f\u00fcr die B\u00e4ume eingesetzt, dar\u00fcber haben wir davon erfahren. F\u00fcr sie waren die B\u00e4ume das einzige, das das Leben in dieser ansonsten ziemlich tristen Betonwelt ertr\u00e4glich gemacht hat. Leider haben wir im Winter davon erfahren und konnten nur noch Winterfotos von den B\u00e4umen machen, ohne Laub. Kurz danach wurden sie gef\u00e4llt. Hier h\u00e4tte ein Moderator vom Umweltamt gut eine L\u00f6sung finden k\u00f6nnen, die allen Beteiligten gerecht geworden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df, wie umstritten die Baumschutzsatzung in diesem Rathaus schon mehrfach gewesen ist. Deshalb will ich auf einige Einw\u00e4nde eingehen, die gegen sie ins Feld gef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Man sagt zum Beispiel, eine Baumschutzsatzung g\u00e4ngele die B\u00fcrger und greife ins Eigentum ein. Bei diesem Argument f\u00e4llt mir auf, dass B\u00fcrger im Sinne des Arguments offenbar nur die Haus- und Grundbesitzer sind. Was ist mit den G\u00e4sten des Biergartens in Brake? Was ist mit der Mieterin in Brackwede? Sind das keine B\u00fcrger? Durch das F\u00e4llen der B\u00e4ume wurden diese B\u00fcrger nicht geg\u00e4ngelt, das w\u00e4re das falsche Wort. Sie wurden beraubt. Sie wurden eines St\u00fccks ihrer Lebensfreude und Lebensqualit\u00e4t beraubt. Das ist ein existenziellerer Eingriff als eine Beh\u00f6rde, die einen Grundbesitzer um ein Gespr\u00e4ch bittet und Gr\u00fcnde h\u00f6ren will und Vorschl\u00e4ge macht. [Dass solche lebensbezogenen Interessen von B\u00fcrgern offenbar nicht z\u00e4hlen gegen\u00fcber dem Interesse eines Eigent\u00fcmers, Kosten zu sparen, das hat einen Klassencharakter. Um mal ein veraltetes Wort aus meiner Studentenzeit wiederaufzufrischen.]<\/p>\n<p>\u00dcbrigens wird auch umgekehrt ein Schuh draus. Ich bin in Bielefeld bekannt als Baumsch\u00fctzer und bin deshalb schon viermal von Haus- und Grundbesitzern angerufen worden, die einen sch\u00f6nen Baum besitzen und den auch in Ehren halten und behalten wollen, die aber von ihren Nachbarn bedr\u00e4ngt werden, den Baum f\u00e4llen zu lassen, weil er \u2013 Schatten wirft, Laub fallen l\u00e4sst, im Sturm umfallen k\u00f6nnte und so weiter. Diese Grundbesitzer w\u00fcrden eine Baumschutzsatzung begr\u00fc\u00dfen, denn sie w\u00fcrde ihnen helfen, ihr Eigentum gegen die Anspr\u00fcche der Nachbarn zu verteidigen. Sie k\u00f6nnten sagen: Schaut her, dieser Baum ist so wertvoll f\u00fcr die Stadt, dass er st\u00e4dtischerseits gesch\u00fctzt ist. Das g\u00e4be ihnen eine zus\u00e4tzliche Autorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Oft wird auch behauptet, eine Baumschutzsatzung w\u00fcrde das Gegenteil bewirken: Es g\u00e4be eine Welle von Baumf\u00e4llungen, bevor die Satzung in Kraft tritt, weil viele dann noch schnell ihre B\u00e4ume f\u00e4llen w\u00fcrden, bevor sie gesch\u00fctzt sind. Oder w\u00e4hrend sie gilt, w\u00fcrden viele ihre j\u00fcngeren B\u00e4ume prophylaktisch f\u00e4llen, bevor sie die gesch\u00fctzte Gr\u00f6\u00dfe erreichen. Eine solche Welle von F\u00e4llungen ist meines Wissens noch niemals und nirgendwo anhand von Daten nachgewiesen worden. Das ist eine reine Vermutung. Oft beruht sie auf Stammtischspr\u00fcchen von Leuten, die lauthals ank\u00fcndigen: Wenn die Satzung kommt, dann f\u00e4lle ich vorher alle meine B\u00e4ume. Diese Drohungen werden einfach f\u00fcr bare M\u00fcnze genommen und weitererz\u00e4hlt, weil es so sch\u00f6n passt. Ob da wirklich jemand seine B\u00e4ume gef\u00e4llt hat, weil die Satzung kam, hat nie jemand nachgepr\u00fcft. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr das angebliche F\u00e4llen nachwachsender B\u00e4ume. Wenn jemand sowas tut, zeigt das doch nur, dass er den Baum sowieso loswerden wollte. Die Satzung ist dann allenfalls ein Anlass oder ein Vorwand. G\u00e4be es sie nicht, w\u00fcrde er den Baum ebenfalls f\u00e4llen. Also kein triftiges Argument gegen eine Baumschutzsatzung.<\/p>\n<p>Ein Argument allerdings kann ich nicht von der Hand weisen: Eine Baumschutzsatzung verursacht der Stadt zus\u00e4tzliche Kosten bzw. zus\u00e4tzlichen Personalaufwand. Da appelliere ich an Sie, dass Sie sich dazu durchringen, diesen Aufwand zu schultern, weil Ihnen die Bielefelder B\u00e4ume das wert sind.<\/p>\n<p>Danke f\u00fcr Ihre Aufmerksamkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0 2017 gef\u00e4llt: Doppeleiche am Bahnhof Brake &#8212;\u00a02012 gef\u00e4llt: Ahorne in einer Wohnanlage in Brackwede.\u00a0 Im Februar 2019 haben die Gr\u00fcnen und Bielefelder Natursch\u00fctzer* 2873 Unterschriften f\u00fcr einen B\u00fcrgerantrag abgegeben, der eine Baumschutzsatzung f\u00fcr Bielefeld fordert. Von 1997 bis 2002 hatte eine solche Satzung in Bielefeld bereits bestanden. Am 7. 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